Die unergründlichen Gründe Make-up zu tragen

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Ich kann mich erinnern, wie ich bereits als kleines Mädchen das Make-up meiner Mutter gestibitzt und mich stundenlang im Bad geschminkt habe, nur um es niemandem zu zeigen, mich direkt wieder abzuschminken und dann unter die Bettdecke zu schlüpfen. Auch steuerte ich als Kind im Europapark Rust immer als erstes den Stand an, wo man sich Schmetterlinge ins Gesicht malen lassen konnte – mit ganz viel Glitzer natürlich. Noch heute würde ich mit Glitzerfeen-Make-up zur Arbeit, aber das scheint mir dann doch etwas unangebracht. So trauern wir der Glitzerschmetterlingszeit vielleicht nicht nach, aber wir stehen doch jeden Morgen vor einer Make-up Frage: Make-up ja oder nein. Und wenn ja, wie viel davon. Es wird ja behauptet, dass Frau mit ü30 dann doch langsam in jenem Standium angelangt sei, wo sie wisse, wie sie Make-up benutzt und wie sie es richtig einsetzen kann.

Aber so einfach ist es dann halt doch nicht. Zumindest für mich nicht. In meiner Brust leben verschiedene make-up-verrückte Seelen und jede hat so ihren eigenen Willen. Selbstverständlich sind diese Seelen widersprüchlich und sich so gar nicht einig. Wie gesagt, sonst wäre das ja alles viel zu einfach.

Seele 1: Die Versteckerin
Sie kennen wir ja bestimmt alle! Es sind die Tage, wo uns Mister Pickel und Frau Augenring morgens ungefragt die Ehre erweisen und wir uns im Spiegelbild kaum aushalten. Also möglichst rasch mit Concealer, Mascara und Augenbrauenstift nachhelfen und all das Unschöne verstecken. Uff, ja – dann geht das mit dem Spiegel wieder (besser). Für viele Frauen ist die Versteckerin gar eine ungefragte stete Begleiterin. Sie stresst Frauen auf der ganzen Welt, sich jeden Morgen vor der Arbeit zu schminken, um sich vermeintlich gesellschaftsfähig zu präsentieren. Denn ohne seien wir ja nicht hübsch genug. Die Versteckerin kann doch sehr nerven, weil sie immer an unserem Selbstbewusstsein knabbert. Entsprechend sollte die Versteckerin auch regelmässig auf den Mond geschickt werden.

Seele 2: Die Freestylerin
Sie hat keine Ahnung weshalb Frau überhaupt mehr Make-up als eine einfache Mascara besitzen sollte. Und diese eine Mascara, die sie tatsächlich zuhinterst im Spiegelschränkli besitzt, ist ausgetrocknet (waaaas? das Zeugs lässt sich nicht ewig halten??). Die Freestylerin ist die entspannteste unter allen Make-up Seelen. Nichts bringt sie aus der Ruhe und sie geht auch mühelos ohne Make-up ins Business-Meeting oder an die Hochzeit der besten Freundin.

Seele 3: Die Zuhausegebliebene 
Auch eine sympathische Gefährtin. Wenn du einen Tag zu Hause geniesst, muntert sie dich auf mit Aussagen wie: „Hach, so kurz und unsichtbar sind deine Wimpern gar nicht“, „Na, also das kleine Pickelchen mitten auf der Stirn, das siehst wirklich nur du“ oder „Nein, du siehst nicht müde aus“. Sie ist die Schwester der Versteckerin und hält mit ihr die Balance für uns, um bei all dem Make-up-Druck nicht durchzudrehen (wobei diese Gefahr vorwiegend bei Perfektionistinnen besteht). Solange also Versteckerin und Zuhausegebliebene im Einklang sind, ist Frau ziemlich okay dran.

Seele 4: Die Verführerin
Die Verführerin kommt gerne am Wochende zum Vorschein, wenn ein fancy Abendessen mit dem Liebsten ansteht oder wir bei einer Party das Tanzbein schwingen wollen. Sie lässt uns den Cat Eye Liner noch etwas verlängern und die Lippen mit Gloss noch etwas voller schminken. Sie nutzt Make-up, um zu gefallen. Und wer denkt, sie tue das nur, um dem männlichen Geschlecht zu gefallen, der liegt ja so was von falsch. Neeeeein, wir Frauen wollen unsereins gefallen! Die Verführerin ist eine Kämpferin. Sie begibt sich in den Ring mit allen anderen Frauen dieser Welt und trägt den Kampf aus, den schon Schneewittchen kennenlernen musste: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Seele 5: Die Geschmolzene
Die muss ich nun auch noch erwähnen, da wir gerade Sommer haben. Denn wer hat sich nicht schon aus seiner Comfort Zone begeben mit dem lieben Make-up und mal was ganz Neues probiert? In den Magazinen sieht das tolle Make-up auch immer so beneidenswert grossartig aus! Problem ist nur, dass wir im Eifer uns der Konsequenzen unseres unverhofften Make-up Mutes oft nicht so ganz bewusst sind. Und so stehen wir dann da: mit roten, nicht kussechten Lippen vor dem Double Cheeseburger mit Avocado/Speck-Sauce und Zündholz Pommes (die Pommes sind hier nicht das Problem), in der glühenden Sonne mit der neuen Foundation, auf der extra-glowing Skin drauf stand oder wir stehen mit unserem Schlupflid ohne Eyeprimer und erstmals schön geschwungenem Eyeliner beim Bierstand des Musikfestivals bei 34°. (Weisch wasi meine??)

Ja, so ist das. Mal so, mal so. Und gelled, immer dran denken bei solchen Themen: „No make-up can mask an ugly heart.“ Das hat Kevin Aucoin mal gesagt. Und auch wenn wir uns seine Make-up Produkte nicht leisten können, so hat er doch mehr als Recht damit!

Und welche Seele schwelgt in eurer Brust? Habt ihr noch eine weitere? Bin gespannt – lasst mir doch einen Kommentar da!

Eure Sara

 

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